Alec Peters im Interview: „Star Trek: Axanar“ & Crowdfunding

Alec Peters ist Executive Producer der Independent-Produktion „Star Trek: Axanar“. Der Film wird mit Crowdfunding-Kickstarter-Kampagnen finanziert und geht im Frühjahr 2016 in Produktion. Inhaltlich greift der Streifen einen in der Originalserie nur kurz beleuchteten Charakter auf und spinnt die Handlung weiter. Alec Peters selbst hat die Geschichte entwickelt, weil ihn die Figur des Garth von Izar schon immer begeistert hatte. Mit einer ersten Spendenkampagne produzierte er einen Kurzfilm, für den er namhafte Schauspieler aus dem TV-Science-Fiction Universum gewinnen konnte. Was sind seine Beweggründe, sich auf ein derart großes Unterfangen einzulassen und welche Rolle spielen seine „Spender“?

Können Sie uns etwas über die Produktion und die Hintergrundgeschichte von „Star Trek: Axanar“ erzählen?

Axanar ist eine unabhängige Produktion. Wir wollen damit hauptsächlich zeigen, dass eine Qualitätsproduktion nicht notwendig Millionen von Dollar kosten oder man unbedingt ein großes Studio im Hintergrund haben muss. Es gibt ja bereits mehrere Star Trek Clips und Filme im Internet, die von Fans produziert wurden. Was uns jedoch vorschwebt, ist der erste Nicht-CBS / Paramount produzierte Star Trek Film, der den Look und das Feeling der Originalserie transportiert. Wir erzählen die Geschichte des Garth von Izar, der nur in einer einzigen Episode der Originalserie Raumschiff Enterprise auftauchte. Schon vor 20 Jahren habe ich eine Geschichte über ihn geschrieben und inspiriert durch einen anderen Fanfilm, „Star Trek: New Voyages“ verfasste ich dann ein Drehbuch dazu.

Trotzdem: Wir arbeiten hier an keinem Fanfilm. Unsere Produktion „Star Trek: Axanar“ wird ein richtiger Film sein und alles haben, was Leute von einer großen Produktion erwarten. Wir konnten bereits viel Zuspruch generieren von Fans der Originalserie, die nach all den Jahren mal wieder etwas Neues sehen wollen. Etwas, das den Geist und die Narration des Originals aufgreift und weiterträgt in unsere Zeit und den heutigen Erwartungen an erfolgreiche Filmproduktionen gerecht wird. Bis jetzt konnten wir schon mehr als 1 Mio. US$ an Unterstützung einwerben. Im Juni 2016 geht’s in Los Angeles los mit dem Dreh.

Was ist Ihre Rolle bei dem Projekt?

Nun, Garth von Izar war immer schon ein Charakter, der mich fasziniert hat. Ich wollte immer wissen, was für ein Typ das ist. Warum war er Captain Kirks Vorbild? Wie war es zur Zeit seines Kommandos und was hatte es mit der Schlacht von Axanar auf sich?

Zuerst habe ich mal eine erste Fassung der Geschichte geschrieben und die ersten drei Akte erarbeitet, bis kurz vor der eigentlichen Entscheidungsschlacht. Die habe ich Marco Palmieri geschickt, der bei Pocket Books für all die Star Trek Bücher verantwortlich gewesen war. Seine Rückmeldung war begeisternd, er wünschte sich ebenfalls mehr Tiefgang und Hintergründe für Garth. Ich habe mich dann bei einem Drehbuchkurs von Robert McKee, dem Godfather von Hollywoods Schreiblehrern eingeschrieben. Ich bin ein guter Autor, aber mit Drehbüchern kannte ich mich wirklich nicht aus. Nun, verbring mal vier Tage mit Robert McKee und Du lernst eine ganze Menge. Ich habe mein Bewusstsein für das Schreiben von Drehbüchern sehr stark erweitert. Die ersten drei Akte waren nach 6 Monaten fertig, der vierte Akt dauerte allerdings ein ganzes Jahr. Das dauerte deshalb so lang, weil mir die finale Schlacht wirklich wichtig war. Ich wollte etwas, dass man bislang nicht gesehen hatte. Die größten Schlachten im Star Trek Universum waren die in Deep Space Nine im Krieg mit den Dominions und die waren, muss man ja ehrlich sagen, ganz schön schwach. Nur eine Menge Schiffe, die sich gegenseitig beschießen und verprügeln und die ihre Geschosse durch die Schutzschilde jagen, als sei da gar nichts. Oh Mann. Also habe ich mich mit Weltraumkriegsführung beschäftigt und die ersten drei Folgen von David Webers Honor Harrington-Romanen gelesen. Die haben mir sehr geholfen, eine neue Sicht auf mögliche Schlachten im Weltraum zu entwickeln. Dann habe ich mich an den vierten Akt gewagt und ja, ich war schon echt zufrieden, als ich fertig war. Die Geschichte ist riesig und breit und zeigt neue und frische Charaktere.

CBS lässt Sie tatsächlich mit der Marke „Star Trek“ arbeiten. Übt das Studio irgendeine Kontrolle aus?

Axanar ist ein unabhängiges Projekt, dass die Markenrechte von CBS unter der Bedingung nutzen darf, dass Axanar vollkommen nicht-kommerziell ist. Das bedeutet, dass wir für nichts Geld nehmen dürfen, das die Urheberrechte von CBS verletzt oder wir den Film verkaufen dürfen oder T-Shirts oder irgendwas, das Markenrechte von CBS berührt. Deshalb machen wir das aber auch gar nicht. Wir produzieren den Film, weil wir etwas Spektakuläres liefern wollen, dass auch uns selbst hilft, in der Filmindustrie Gehör zu finden. CBS lässt uns in Ruhe, solange wir die dünne rote Linie nicht überschreiten. Allerdings sagen die uns nicht, wo die genau liegt. Sie sagen uns nicht, was wir rechtlich tun oder lassen dürfen. Das kann schon sehr frustrierend sein. Aber so weit wir wissen, weiß jeder bei CBS und Paramount von unserem Projekt.

Sie haben einige sehr bemerkenswerte Trailer und Dokumentationen produziert, die alle mit Crowdfunding finanziert wurden. Auch wenn es sich hier noch nicht um den fertigen Film handelt, sind die Optik und die schauspielerischen Leistungen doch beeindruckend. Die Vulkan-Szene bspw. zeigt schon recht gut, was man erwarten können wird. Welcher Anteil jedes gespendeten Dollars geht eigentlich in die Produktion? Ist die Arbeit mit einem Crowdfunding-Modell sehr verschieden oder sogar schwieriger als der klassische Weg? Oder setzt es sogar größere kreative Energien frei?

Axanar wird durch mehrere Kickstarter-Kampagnen finanziert. Der Kurzfilm „Prelude to Axanar“ hat erfolgreich Spenden von über US$ 100.000 eingeworben. Unsere erste Kampagne für „Axanar“ brachte gute und gern US$ 650.000 ein. Hier gehen aber die Gebühren für die Payment-Provider runter und die Kosten, die mit dem Perk-Fulfillment, also mit Goodies wie Stickern, T-Shirts und anderen Objekten zusammenhängen, die den Spendern als Dank geschickt werden. Für den Film blieben uns davon also etwa US$ 500.000. Wir werden auf jeden Fall noch einen zweiten Kickstarter durchführen, um den Rest des Produktionsbudgets abzudecken. Es ist schon so: wenig Geld zu haben ist eine Herausforderung und bedeutet, dass man eben noch kreativer sein muss. Wenn man genug Geld hat ist alles einfach. Also ja, wahrscheinlich sind wir deshalb so kreativ.

Sie haben eine ganze Reihe von sehr bekannten und erfahrenen Schauspielern gewinnen können, sowohl aus dem Star Trek Universum wie auch aus anderen erfolgreichen Serien. Wie ist die Atmosphäre auf dem Set, wenn man sie mit größeren Produktionen vergleicht? Kleinere Wohnwagen? Schlechteres Catering?

Wir haben einige sehr bekannte und wunderbare Schauspieler an Bord, wie Richard Hatch aus Battlestar Galactica, der in der alten Serie aus den 1970ern und der neuen Show ab 2004 mitgespielt hat und ein sehr erfahrener Buchautor und Produzent ist, dann Tony Todd aus Babylon 5, Akte-X oder Stargate SG-1, Kate Vernon, bekannt aus der 80er Serie Falcon Crest und zuletzt ebenfalls in Battlestar Galactica zu sehen als Ellen Tigh, J. G. Hertzler, den wir aus Six Feet Under, Charmed oder Deep Space Nine und Star Trek Voyager kennen. Gary Graham aus Nip/Tuck spielt die Rolle von Soval, des Botschafters von Vulkan, die er bereits in Star Trek: Enterprise gespielt hat.

Die Atmosphäre ist total professionell und die Schauspieler sagen, es sei ebenso gut wie bei größeren Produktionen. Aber nein, keine Wohnwagen. Dafür haben wir kein Geld. Das stecken wir lieber ins Catering. Am Essen sollte man nie sparen.

Neben einer größeren kreativen Ungebundenheit verspricht Crowdfunding ja vor allem eine Mitsprache von Fans. Werden diese dadurch loyaler? Und wie haben Sie Ihren Film in die Kultur und den Zeitrahmen der Star Trek Filme eingepasst? Fans können da ja sehr unnachgiebig sein, wenn sie Details finden, die ihnen nicht stimmig erscheinen.

Die Fans mögen bis jetzt sehr, was wir tun. Das lässt sich an ihrer Beteiligung auf unserer Facebook-Axanar-Fangruppe ablesen:

Wir sind sehr darauf erpicht, alles korrekt zu erarbeiten. Da Axanar in einem Universum 20 Jahre vor den Ereignissen der Original-TV-Serie spielt, versuchen wir alles zu berücksichtigen, was wir dort auch finden. Diese Welt zu entwerfen ist übrigens sehr herausfordernd. Die Originalserie wurde ab 1966 geschrieben mit einer Zukunftsvision, die heute 50 Jahre alt ist! Wenn wir uns deren Zukunft anschauen, sehen wir, dass Desktop-Monitore oder stationäre Datenspeicher und sogar Tablet-PCs schon fast wieder außer Mode sind. Wir müssen also akzeptieren, dass die Zukunftsvision der Serie ist wie sie ist und dann abschätzen, wie die Vergangenheit deren Zukunft 20 Jahre vor den Ereignissen der Originalserie aussieht. Aber diese Aufgabe gehen wir durchaus mit einem modernen Blick auf Technologien und Darstellungen an.

Noch eine letzte Frage. Seit einigen Jahren beschäftigen sich nationale Jugendschutzgremien mit Fragen der Altersfreigaben von Download- oder Streamingmedien, um Jugendliche und Eltern entsprechend beraten zu können. Da im Internet aber keine physischen Produkte verbreitet werden und die Inhalte außerdem von überall her angeboten und abgerufen werden können, geraten die herkömmlichen Systeme an Grenzen. Spielt die Altersfreigabe für Sie eine Rolle?

Nein, überhaupt nicht. Wir streben grundsätzlich G (für alle Altersstufen geeignet) an.

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