Artikel mit Statements zu „Squid Game“​ (TV-Serie, Netflix)

Das christliche Medienmagazin PRO hat mich für einen Artikel zu der Netflix-Serie „Squid Game“ um meine Meinung gebeten. Den vollständigen Text findet man hier:

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Leider ist in einem solchen Text niemals Platz für alles, was man dazu zu sagen hätte (meine Antworten waren viel länger).

Die Interviewanfrage und zentrale Fragestellung bezog sich auf die Zugänglichkeit für Kinder und Jugendliche unterhalb der Altersfreigabe 16. Hier können die Gewaltdarstellungen der Serie schon verstörend wirken und, durch den Anreiz, sie nachzuspielen, nicht zuletzt auch zu kritisierbaren Nachahmungshandlungen führen. Nicht zuletzt auch zu „Mutproben“ mit möglicherweise fatalem Ausgang (Tauziehen auf schmalen Stegen in großer Höhe etc.). Jedoch ist grundsätzlich bei dieser Serie zu berücksichtigen, dass auf die eigentlichen Spiele, die durchweg menschenverachtenden Charakter besitzen, meistens sehr lange Phasen von Gesprächen teils philosophischen und religiösen Inhalts folgen. Kinder, die auf actionreiche Darstellungen aus sind, werden hier möglicherweise die Lust verlieren und / oder die Gesamthandlung in ihrer gesellschaftskritischen Dimension nicht verstehen, so dass sie sich erst recht auf die Mordspiele in knallbunter Optik und mit geradlinigem Verlauf analog des zum aus der Schule bekannten „Völkerballs“ fokussieren.

Betrachtet man aber die Zielgruppe 16+, so muss man sagen, dass in „Squid Game“ ernstzunehmende Themen und Fragen behandelt werden in einer Dichte und schicksalhaften Intensität, wie man es in Serien selten findet. Das spricht zum einen für die Serie, wirft aber die andere Frage auf, warum es dieser extremen Gewalt bedarf, um derartige Fragen nach Schicksal, Glaube, Glück, Durchsetzungsfähigkeit, Solidarität oder Nächstenliebe zu behandeln. Sind sie für sich genommen als Handlungsbestandteile zu langweilig geworden und sind nur noch schrille und aufsehenerregende Settings denkbar, innerhalb derer sie erörtert werden können?

Das erscheint mir eine Frage, die viel weitreichende ist als lediglich die Attraktivität einer Erwachsenenserie für Kinder.

Stefan Piasecki

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