Ex-ZDF-New York-Chef Klaus Prömpers über das Verhältnis von Journalismus und Twitter & Co

IMG_1222Klaus Prömpers, seit 1981 als freier Journalist, Korrespondent, sicherheitspolitischer Experte für Deutschlandfunk und ZDF im In- und Ausland unterwegs und in vielen Wohnzimmern ein gern- und oft gesehener Tele-Gast, leitete bis zu seinem Ruhestand im August 2014 die ZDF-Außenstelle in New York.

Als Journalist und „Medienmensch“ lebt er mit und von dem, worüber er berichtet: Gesellschaft, Politik und Medien. Gerade letztere unterliegen seit den 1970er Jahren einem rasanten technisches Wandel: Von BetaMax, VHS-Video bis zum digitalen Fernsehen und heutigen Streamingdiensten, Mediatheken und sozialen Netzwerken. Prömpers hat mit all dem gearbeitet und über all dies auch berichtet.

Herr Prömpers, Medien – vor allem aber die medienfähigen Endgeräte – prägen unser Leben. Jederzeit sind wir über alles unterrichtet, oder zumindest „scheininformiert“. Geräte sind zu „Accessoires“ geworden, zu Persönlichkeitsrepräsentanten und Statussymbolen.
In welcher Weise können Sie im Rahmen journalistischer Berichterstattung mit den  massenmedial in Sekundenschnelle verbreiteten Informationsströmen mithalten? Welche Kompetenzen zeichnen Auslandskorrespondenten im Gegensatz zu Twitter & Co aus und unterscheiden sie?

Die Beschäftigung mit einem Thema geschieht über Recherche und die umfasst Lektüre von zum Thema gehörenden Büchern, Zeitungen, Zeitschriften etc. Daneben tritt der Kontakt mit den Objekten der Berichterstattung. Vielfältige persönliche Kontakte, ein Netzwerk, führen zu einem Informationsangebot individueller Art, dass die Beurteilung von Handlungen leichter macht. Das erst ermöglicht die korrekte Übermittlung von Informationen, die für den Zuschauer wichtig sind.

Weder Informationen noch Medien sind fälschungssicher, seit den fingierten Einmarschgründen in den Irak („weapons of mass destruction“) und den Enthüllungen durch bspw. Wikileaks ist das hoffentlich jedem klar. Wieviel mehr Aufwand muss ein Journalist bedingt durch die digitalen Medien treiben, um Informationen sicher zu verifizieren? Verändert dies den Umgang mit bspw. Politikern?

Ein Journalist darf sich auf keinen Fall nur auf Twitter, Facebook, andere soziale Medien verlassen. Die Deutsche Presse Agentur sieht sich seit neuestem nicht unbedingt als die Produzentin von Eilmeldungen, da Twitter das besser macht. Allerdings gilt es dann, den Wahrheitsgehalt solcher Meldungen zu verifizieren, wenn sie relevant für die Berichterstattung sind. Auch Agenturen sind fehlerhaft, insofern sollte man Agenturmeldungen gegenchecken, wenn sie bedeutsam sind. Das alles verändert nicht unbedingt den Umgang mit Politikern und anderen Quellen.

Der russische Präsident Putin beklagte jüngst die Ungerechtigkeit und Einseitigkeit westlicher Medien. Erscheint es gerechtfertigt, wenn er im Hinblick auf die Einsätze der russischen Luftwaffe gegen IS-Stellungen in Syrien klagt, die ersten Medienberichte über zivile Opfer russischer Bombardements seien erschienen, bevor die Flugzeuge aufgestiegen waren? Möglicherweise fallen sie auch in altes Blockdenken zurück, das ja eigentlich überwunden sein sollte. Wie schätzen sie dies ein?

Zunächst muss man ja festhalten, dass in der ersten Angriffswelle, soweit ich weiß, nicht IS Stellungen , sondern Stellungen der aus EU Sicht gemäßigten Opposition gebombt worden sind. Die Klage Putins ist sicher unberechtigt. Insbesondere der russische Präsident scheint in altes Blockdenken zurück zu verfallen. Russland hat etliche Resolutionen im Sicherheitsrat in den vergangenen Jahren verhindert.

Das Abwerfen von Fassbomben durch das Assad-Regime allerdings ist verurteilt worden, allerdings bestanden die Russen damals darauf, dass ein Verstoß dagegen durch Assad nicht automatisch zu Sanktionen führte; da stehen wir heute noch.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Fähigkeiten von Menschen, durch den Einfluss der digitalen Medien hinsichtlich der Informationsmöglichkeiten politische Entwicklungen selbstständig zu begreifen und zu entschlüsseln im Vergleich zu den „alten Zeiten“, als man auf Auslandskorrespondenten angewiesen war um politisch informiert zu sein? 

Das kommt ganz auf den einzelnen an wonach er sich seine Quellen der Information aussucht. Im Grunde stellen ja auch viele renommierte Auslandskorrespondenten ihre Berichte, sei es Zeitung, Radio oder Fernsehen auch auf Twitter zum Beispiel oder in Facebook oder andere Dienste ein. Die Mediatheken, Online-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen, machen die Filme auch unabhängig vom Sendedatum für viele im Internet zugänglich.

Ganz persönlich: Welche Vorteile sehen sie für ein Leben im digitalen Zeitalter und welche daraus entstandenen Verluste  bedauern Sie? Und: Würden Sie diesen Beruf heute wieder wählen und was würden Sie von Anfang an anders machen?

Twitter mit den Postings der Kollegenschaft (wenn man sie kennt) macht einem die Arbeit in Teilen leichter: Wenn man die Kollegen kennt und sich mit ihnen auf Twitter verbindet, findet man häufig deren Artikel etc. dort auch vor.

Insofern sind die sozialen Medien an dieser Stelle sogar eine Vereinfachung der Arbeit.

Auf jeden Fall würde ich diesen Beruf wieder wählen. Vielleicht würde ich mit mehr Nachdruck meine ersten Schritte bei einer renommierten Tageszeitung zu machen versuchen.

(Das Interview führte Cindy Gresselmeyer)

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