Eine deutsche Dokumentation auf Persisch: Wie man einen Film lokalisiert

Medien spielen eine wichtige Rolle im sozialen Leben.

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Das Fernsehen spielt eine große Rolle, um der Gesellschaft Informationen jeder Art zu vermitteln. Wissen kann so in die entferntesten Winkel der Welt transportiert werden. Besonders beliebt sind Dokumentarfilme, die jedoch in verschiedene Sprachen übersetzt werden müssen, bevor sie auf einem fremden Markt ein Publikum erreichen können.

Einige Schritte möchte ich am folgenden Beispiel ausführen:

Titel: „Ein Mann aus dem Land der aufgehenden Sonne“

Produktionsjahr: 2016

Regisseur: Masoud Taheri

Inhalt: Der Film beschäftigt sich mit dem Leben von Toshihiko Izutsu (1914-1993), einem japanischen Islamwissenschaftler und Philosophen. Er hat im Jahre 1957 eine wissenschaftliche Übersetzung des Korans ins Japanische herausgegeben.

 

Im Film wird ein Interview mit Dr. Ulrich Brandenburg vom Asien-Orient-Institut an der Universität Zürich gezeigt. Dieses galt es zu übersetzen und für persischsprachige Zuschauer zugänglich zu machen.

Bei der sogenannten Lokalisierung stößt man auf verschiedene Schwierigkeiten, die unbedingt in Betracht gezogen werden müssen. Einige möchte ich nachfolgend vorstellen:

Ein Übersetzer muss sich genau mit dem Inhalt des Films beschäftigen und man muss die Zielsprache genau im Griff haben, um das Gesagte richtig aufzufassen und es in die neue Sprache zu übersetzen. Dies betrifft sowohl die Umgangssprache wie auch die Literatursprache, beide sind genau zu beherrschen, um dem Hörer den Inhalt möglichst authentisch – aber gleichzeitig auch lebensnah – wiederzugeben. Schon die Auslassung eines kleinen Teils im Text kann zu Mißverständnissen führen.

Der Übersetzer muß berücksichtigen, dass die Grammatik der Zielsprache sich eigentlich immer stark von der Grammatik der übersetzten Sprache unterscheidet. Deshalb müssen die Sätze im Text grammatikalisch und lebensweltlich richtig gebraucht werden, denn eine rein wörtliche Übersetzung in Filmen wird nicht verständlich erscheinen. Es würde sich fahl und schlecht anhören.

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Auch die Emotionen der Protagonisten und der Darsteller müssen in der Übersetzung genau reflektiert werden. Das ist nicht leicht, denn gleichzeitig muss auf eine gute Lippensychronität geachtet werden, sonst laufen Mundbewegung und gesprochener Text auseinander.

Bei der Sprache muss bedacht werden:

            Wird aus der Ich-Perspektive erzählt?

            Ist es Umgangssprache?

            Wird vielleicht literarische Sprache benutzt?

            Oder sogar Lyrik?

Jedes dieser Beispiele birgt ganz eigene Herausforderungen.

Die Synchronisation ist eigentlich nicht das vordergründige Problem der Übersetzer, aber es ist besser, schon früh mit darauf zu achten, dass das Übersetzte den Mundbewegungen der sprechenden Personen entspricht.

Die vielen einzelnen Schritte zu beschreiben würde hier einen langen Text produzieren. Aber die Arbeit macht Spaß. Und wer sie gerne einmal ausprobieren möchte, der lade sich doch einen beliebigen Videoclip aus dem Internet und spreche seinen eigenen Text darauf. Das ist witzig, aber es wird schwierig, wenn man eine inhaltsgetreue Übersetzung vornehmen möchte.

Denn praktisches Lernen ist jederzeit viel besser als nur die Theorie, die man auswendig lernt und sie dann nach einer Woche vergisst.

Nur zu. Und viel Spaß

Azadeh Niyazadeh

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